Testers Keepers: MSI Radeon RX 5500 XT Gaming X

Die Ablösung einer beliebten Reihe von Grafikkarten des mittleren Preissegments zu sein, ist wohl keine leichte Aufgabe. Genau dieser Herausforderung stellte sich die neue RX 5500 XT Reihe von MSI Ende letzten Jahres – mit Erfolg? Um dies herauszufinden, stellten wir fünf der neuen Grafikkarten, spezifischer die MSI Radeon RX 5500 XT GAMING X 8GB, in einer Testers-Keepers-Aktion vom 24.02. – 01.03.2020 fünf Testern zur Verfügung. Diese durften die neuen Grafikkarten mit massivem Kühlkörper und großem Leistungssprung im Vergleich zum Vorgänger gründlich testen, bewerten und im Anschluss behalten. Das sagt unser Tester Philipp zu der neuen Grafikkarte:

 

Katbanner MSI Radeon

 

Über die Testers Keepers-Aktion, Testen. Bewerten. Behalten, bekam ich von Mindfactory die Möglichkeit, die im Dezember veröffentlichte RX 5500 XT, in diesem Fall in der Gaming X 8G Version von MSI, testen zu dürfen. Die RX 5500 XT gehört zur neuen Navi-Generation und löst die alte Polaris Generation, zu der unter anderem die sehr beliebten Grafikkarten RX 570 und RX 580 gehören, ab. Es handelt sich hier um AMDs neue Einsteigerkarte (bzw. untere Mittelklasse) für Spieler.

Lieferumfang

Im Karton selbst befindet sich nur etwas Papierkram. Eine Anleitung, ein Infoblatt, dass man sich doch bitte registrieren soll, ein Hardware- und Software Guide und etwas Werbung für andere Produkte. Viel interessanter ist aber, dass die Grafikkarte für AMDs aktuelle Raise the game Aktion berechtigt ist. Damit bekommt man Resident Evil 3, Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint und 3 Monate Gamepass für den PC. Das Ganze hat zusammen einen Wert von knapp 100€.

Design

Das Design der Karte ist meiner Meinung nach sehr gelungen. Es ist nicht zu auffällig, sondern fast schon schlicht, aber auch nicht langweilig. Die Karte ist größtenteils in schwarz und grau gehalten, an den beiden Lüftern kommt noch etwas rot ins Spiel. Auf der Rückseite ist eine Backplate, die das komplette PCB verbirgt. Auch dieses ist schwarz. Es handelt sich um ein Triple-Slot-Design. An der Seite befindet sich außerdem ein MSI-Logo, welches beleuchtet werden kann. Hier gibt es mehrere Modi, man kann die Beleuchtung auf Wunsch aber auch komplett deaktivieren.

Bei den Anschlüssen gibt es 3x DisplayPort (v1.4) und 1x HDMI 2.0b, für den Strom gibt es einen 8-pin-Anschluss. Nachdem viele RX 570/580 8+6-pin benötigten und der Stromverbrauch seitens AMD mit 150/185W angegeben war, was für die Mittelklasse eindeutig zu viel ist, sind wir nun bei 130W (Herstellerangabe) angekommen. Das ist definitiv sehr erfreulich und war auch notwendig, denn der Stromverbrauch war der größte Kritikpunkt der Polaris-Generation.

Verarbeitung

Die Verarbeitung ist sehr gut, es gibt keine scharfen Kanten oder andere Kritikpunkte.

TestsystemBild 1 MSI Radeon

  • Asus TUF B360-PRO Gaming
  • Intel i5-8400
  • 32GB G.Skill RipJaws V
  • MSI Radeon RX 5500 XT Gaming X 8G
  • 1TB Gigabyte NVMe SSD
  • 1TB Kingston KC2000 NVMe SSD
  • 1TB Samsung 860 QVO
  • Fractal Design Define 7 black/white TG Clear tint
  • 3x Enermax SquaRGB
  • 1x Fractal Design Dynamic X2 GP-14

Montage und Installation

Die Montage ist bei Grafikkarten natürlich sehr einfach und schnell erledigt. Man Steckt die Grafikkarte einfach in den Slot (achtet darauf, dass ihr den Schutz, den MSI angebracht hat, vorher entfernt) und schraubt sie dann mit 2 Schrauben fest. Danach wird noch der 8-pin bzw. bei den meisten Netzteilen eher 6+2-pin-PCIe-Stromanschluss angeschlossen und man ist auch schon fertig.

Anschließend muss noch der AMD-Treiber installiert werden, bei mir war die aktuelle Version für den Test Adrenalin 2020 Edition 20.2.2. Achtet darauf, dass ihr den alten Treiber deinstalliert habt, um Probleme zu vermeiden. AMD bietet dafür z.B. das AMD Cleanup Utility an.

Weiterhin bietet auch MSI noch Software an.

MSI Dragon Center

Hier kann man zwischen den Modi extreme Leistung und ausgeglichen wählen oder selbst etwas einstellen. Dann gibt es eine sehr überschaubare Monitoring Funktion, eine True Color-Einstellung für verschiedene Modi, den LAN Manager und die Einstellung für die vorhin schon angesprochene Beleuchtung, das Mystic Light. Da alles andere meiner Meinung nach nicht wirklich nötig oder schon im Treiber vorhanden ist, nutze ich die Software hauptsächlich für die Steuerung der LEDs.

MSI Afterburner

Weiterhin bietet MSI ein umfangreiches Tool für Einstellungen, die Lüftersteuerung, zum übertakten und für Monitoring an, den Afterburner. Leider hat die Lüftersteuerung einfach nicht richtig funktioniert (mehr dazu später). Ob das an MSI oder AMD liegt kann ich aber auch nicht sagen. Davon ab muss ich gestehen, dass mir das Design des Aterburner absolut gar nicht zusagt, auch nicht die alternativen Designs. Das ist mir zu viel von allem zu bunt, zu überladen, zu unübersichtlich. Es heißt ja immer Form follows function, hier ist eher das Gegenteil der Fall. Ich glaube der Designer hat das Tool nie benutzt, sonst hätte man es nicht so veröffentlicht. Zum Glück ist das Tool aber entbehrlich, alles was man braucht ist mittlerweile schon im Treiber bzw. der zugehörigen AMD-Software integriert.

Bild 2 MSI RadeonLeistung

Für den Performance-Test habe ich die RX 5500 XT mit meiner alten Sapphire RX 570 Nitro+ mit 4GB verglichen. Dafür habe ich mehrere 3DMark-Benchmarks und integrierte Benchmarks von Spielen verwendet, da die genau so für jeden zugänglich sind und eine sehr gute Vergleichbarkeit auch für andere User schaffen. Im 3DMark habe ich die Presets unverändert gelassen. In Spielen habe ich immer die Auflösung 1920×1080 und max. Details verwendet. Wenn möglich habe ich einmal ohne Antialiasing getestet und einmal mit (mit dem was im Spiel angeboten wurde). VSync oder irgendwelche anderen Begrenzungen waren natürlich deaktiviert.

Im 3DMark landet die RX 5500 XT im Schnitt 17,2 Prozent vor der RX 570. Hier hätte ich mit etwas mehr Vorsprung gerechnet. In Spielen sind es dann 41,44% (gerechnet mit avg fps), das ist dann doch deutlich mehr und auch in der Praxis oft spürbar. Hardwareseiten und Magazine kommen auf ~30% Vorsprung für die RX 5500 XT. Dass der Vorsprung bei mir etwas größer ist kann natürlich einfach an der Auswahl der Spiele oder am größeren VRAM liegen.

Bei den min fps liegt die RX 5500 XT sogar um 41,55 vor der RX 570. Das klingt im ersten Moment nicht so besonders, aber beim Blick auf die fps fällt auf, dass GTA V die RX 5500 XT etwas runterzieht. Beide Karten zeigen hier sehr niedrige min fps, sehr weit unter dem Durchschnitt, also gut möglich, dass der Benchmark einfach nicht perfekt ist und es ein kleiner Bug ist. Laut log-Datei liegen diese fps-Werte auch nur wenige ms vor, hier wäre es natürlich deutlich von Vorteil mit Perzentilen zu rechnen, was aber etwas aufwendiger ist.

Temperatur

Die Temperatur liegt unter Last im FurMark bei max. 69°C. Im 3DMark (Time Spy Extreme) liegt sie sogar nur bei 63°C.

Lautstärke

Die Lautstärke ist sehr gut, aber nicht ganz perfekt. Da ich mit der Sapphire RX 570 Nitro+ die laut vielen beste RX 570 habe, ist der Vergleich natürlich noch etwas schwieriger für die MSI.

Wirklich toll ist erstmal, dass die MSI-Karte einen Zero-Fan-Modus hat. Das bedeutet unter einer bestimmten Temperatur, also vor allem beim Filme schauen, im Office-Betrieb und beim surfen ist der Lüfter komplett ausgeschaltet. Die Grafikkarte wird passiv gekühlt. 0 Drehzahl bedeutet natürlich auch 0 Lärm. Besser gehts einfach nicht.

Unter Last drehen die Lüfter dann aber natürlich auch mal auf. Die max. Drehzahl liegt bei 3200Upm, bei dieser ist die Lautstärke wirklich extrem. Nach dem Test kann ich mir aber kein Szenario vorstellen, in dem Temperaturen erreicht werden, bei denen die 3200Upm nötig wären. Im 3DMark (Time Spy Extreme) und im FurMark Benchmark (30min Laufzeit) wurden Temperaturen von max. 69°C erreicht. Das ist ein sehr guter Wert. Die Lüfter liefen dabei mit nur max. 50%, das heißt selbst an den heißesten Sommertagen ist noch einiges an Spielraum vorhanden.

Dieser große Spielraum ist auch indirekt mein Kritikpunkt. Im 3DMark lief der Lüfter immer mal wieder an, ging wieder aus, lief wieder an usw. Die Temperaturen lagen bei ~60°C. Das immer wiederkommende an- und ausschalten ist etwas nervig, deutlich nerviger als ein dauerhaft langsam drehender Lüfter, und meiner Meinung nach hier auch nicht nötig. Also dachte ich mir ich passe die Lüftersteuerung einfach mal schnell selbst an. Egal wie und wo, ob in der AMD-Software oder im MSI Afterburner, es funktioniert nicht richtig.

Die Lüfter laufen bei etwas über 800Upm an und sind damit fast nicht hörbar (die Pumpe meiner AiO ist lauter). Das wären 25% der Drehzahl. Will ich die Kurve manuell anpassen liegt das Minimum bei 35% der Drehzahl, was ~1100Upm ergibt. Auch das wäre noch eine sehr gute, da sehr leise Variante. Benutze ich aber die manuelle Lüfterkurve, dann läuft der Lüfter statt mit 1100 immer direkt mit 1600Upm an, was gut hörbar und im Office-Betrieb zu laut ist.

Egal was ich tue, läuft der Lüfter an, dann immer mit zu hoher Drehzahl. Am liebsten würde ich ja den Zero-Fan-Modus nutzen, den Lüfter dann eine Weile im sehr leisen Bereich (bis 1100Upm) laufen lassen und die Drehzahl erst später und nicht schon bei 60°C erhöhen lassen. Das geht aber aktuell nicht, da muss ich wohl etwas kreativer werden und auf andere Tools zurückgreifen. Ob das jetzt an AMD oder MSI liegt, ich weiß es nicht. Vielleicht wird das Problem auch mit kommenden Treibern gelöst.

Insgesamt ist die Lautstärke aber trotzdem sehr gut. Ohne Last ist die Karte passiv, unter Last hat man meistens ~1600Upm, was zwar hörbar aber nicht unbedingt laut ist. Vor allem nicht beim Spielen, wenn sowieso der Ton läuft.

StromverbrauchBild 3 MSI Radeon

Der Stromverbrauch ist verglichen mit den alten Polaris-Karten sehr gut. Auf dem Desktop lag ich vorher bei ~55W, mit der RX 5500 XT liege ich bei ~47W. Beim Sehen von YouTube Videos ist der Verbrauch ebenfalls gesunken von ~65W auf ~60W. Das Maximum beim 3DMark (Time Spy Extreme) lag bei 231W mit der RX 570 und 190W mit der RX 5500 XT. Insgesamt sind die Nvidia-Karten nochmal sparsamer, aber AMD ist mit Navi auf dem richtigen Weg.

Preis-/Leistungsverhältnis

Die MSI Radeon RX 5500 XT Gaming X 8G ist aktuell ab ~250€ verfügbar. Damit ist sie knapp 30€ teurer als die günstigste RX 5500 XT. Da für denselben Preis allerdings schon die ~20% schnelleren Nvidia GTX 1660 Super verfügbar sind, müsste der Preis noch etwas fallen. Wenn man das Raise the game-Bundle allerdings wirklich möchte oder verkauft bekommt, mach das den Preis nochmal deutlich attraktiver. Insgesamt würde ich das Preis-/Leistungsverhältnis als okay bis gut bezeichnen.

Fazit

Mit der Radeon RX 5500 XT hat AMD einen guten, aber auch nicht perfekten, Nachfolger für die Polaris-Karten veröffentlicht. Die Leistungsgewinn beträgt gegenüber der RX 570 ~40%. Das ist gut, aber in Anbetracht dessen, dass die RX 570 2,5 Jahre alt und auch nur eine Neuauflage der RX 470 ist, auch nicht überragend. Der Stromverbrauch ist verglichen mit der alten Generation sehr gut, aber auch da ist noch etwas Potential vorhanden, denn die Konkurrenz rechnet immer noch schneller, mit weniger Strom. Insgesamt ist die RX 5500 XT eine sehr gute Karte für Gamer, die in FullHD spielen und Gelegenheitsspieler, die nicht zu viel Geld ausgeben wollen und auch mal auf ein paar Details verzichten können.
Das MSI-Modell überzeugt im Test weiterhin mit seinem Design und der sehr guten und auch leisen Kühllösung. Auch wenn ich mir bei letzterem sehr wünsche, dass die Probleme mit der manuellen Lüfterkurve (von wem auch immer verursacht) noch gefixt werden.

Positiv

  • spürbar bessere Performance
  • 8GB VRAM
  • geringerer Stromverbrauch, vor allem unter Last
  • sehr gute Kühllösung mit Zero-Fan-Modus
  • sehr ansprechendes Design
  • gutes Spielebundle

Negativ

  • der Preis der RX 5500 XT müsste allgemein etwas niedriger sein

Lüfter im höheren Drehzahlbereich sehr laut (dieser ist aber wohl nur selten nötig)

 

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