Bereits Ende 2020 kündigte sich eine Produktknappheit in der Elektronikwelt/Konsolenwelt an. Die neu erschienenen Konsolen von Microsoft® und Sony waren weltweit in Windeseile vergriffen und die Situation hat sich ein halbes Jahr später keineswegs verbessert. Ganz im Gegenteil, der Kauf einer PS5 oder Xbox Series X wird zum Geduldsspiel für alle Beteiligten. Nicht nur Gamerinnen und Gamer warten sehnsüchtig auf die neue Ware, sondern auch die Händler. Weder kleine Filialen noch große Ketten, die im Grunde von einem besseren Netzwerk profitieren, sind bisher in der Lage, die hohe Nachfrage zu befriedigen.

Ebenso deprimierend ist der Blick auf den Bereich der Hardware. Mit den leistungsstarken Grafikkarten von AMD und NVIDIA® sollte eine Ära des Gameplays eingeleitet werden, die das bisherige Spielerlebnis bei Weitem übertrifft. GPUs wie eine RX 6900XT oder eine RTX™ 3090 bieten Gamerinnen und Gamern die Möglichkeit, ihre Lieblingstitel in äußerst naturgetreuen Szenerien und mit besten Framerates und Auflösungen zu genießen. Doch der ersehnte Genuss liegt für viele Interessierte in weiter Ferne. Denn auch diese Sparte ist von der Produktknappheit oder der mangelnden Warenverfügbarkeit stark betroffen.

Ähnlich verhält es sich mit Prozessoren, bei denen sich die neuen Generationen nicht nur einer hohen Beliebtheit erfreuen, sondern ebenfalls zur Mangelware avancieren. Das Spektrum an Hardware-Komponenten, die leicht verfügbar sind, scheint von Woche zu Woche zu schmelzen. Selbst Flashspeicher in M.2- oder 2,5-Zoll-Format könnten in naher Zukunft von dem Phänomen betroffen sein. Im Bereich der potenten Netzteile mit über 800 Watt Leistungsumsatz ist bereits ein Sinken des Angebots zu vermerken.

Haben wir es hier mit einem Fluch zu tun oder übersteigt die Nachfrage die derzeitige Verfügbarkeit? In diesem Beitrag werden wir der Ursache auf den Grund gehen. Vorab können wir verraten – und das wird mit Sicherheit niemanden überraschen –, dass es sich hierbei nicht um einen Auslöser handelt, sondern vielmehr um eine Verkettung verschiedener Umstände, die uns in diese deprimierende Lage gebracht hat.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Faktoren, die zur Produktknappheit führen
  2. Wann ist ein Ende in Sicht?

Faktoren, die zur Produktknappheit führen

Ein viel zitiertes Argument, warum Produkte seit Monaten nur schwer oder gar nicht erhältlich sind, ist, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Dabei gilt es zu bedenken, dass große Hersteller wie AMD, Intel®, NVIDIA®, Sony und Microsoft® Spezialisten beschäftigen. Diese kalkulieren die zu erwartende Resonanz auf ein neues Produkt und planen dementsprechend den Einkauf notwendiger Ressourcen. Natürlich können Analysen das ein oder andere Mal falsch liegen, aber ein Warenmangel, der sich über viele unterschiedliche Bereiche erstreckt, ist damit nicht zu erklären.

Ganz im Gegenteil: Wir sehen uns mit einer kausalen Kette ungünstiger Zustände konfrontiert, die eine weltweite Produktknappheit hervorgerufen hat.

Zu diesen eingreifenden Faktoren zählen:

  • die Corona-Pandemie
  • die gestiegene Nachfrage
  • das Krypto-Mining
  • die Wasserknappheit in Taiwan
  • der Silizium-Mangel
  • die Fertigungskapazitäten von Chip-Herstellern
  • das Aufrüsten von Cloud-Diensten
  • die Scalper

Das sind insgesamt acht Hürden, die im Zusammenspiel die jetzige Situation verursachen.

Corona als Hintergrund der hohen Nachfrage

Wie an der ein oder anderen Stelle angeklungen ist, stellt die Corona-Pandemie ebenfalls einen Faktor für die Produktknappheit dar. Seitdem sich das Virus von Asien aus über die ganze Welt ausgebreitet hat, ist unser Leben ein anderes. Strikte Kontaktsperren, strenge Hygienemaßnahmen und globale Reisebeschränkungen schneiden unser Leben seit weit über einem Jahr nach Ausbruch des Virus ein. Das wirkt sich selbstverständlich nicht nur auf das private Leben aus, sondern auch auf den Arbeitsmarkt.

Aufgrund neuer Hygienekonzepte und Abstandsregeln mussten viele Fabriken ihre Produktion herunterfahren, wodurch weniger Ware gefertigt wurde als vorgesehen. Konnten einige Hersteller trotz der Umstände ihr Pensum aufrechterhalten, stand immer noch der lange Transportweg via Schiff an. Denn der Frachtbetrieb via Flugzeug, bei dem Spediteure freien Raum in Passagiermaschinen buchen, kam weitestgehend zum Erliegen. Zusätzlich ist eine erhöhte Nachfrage an Hardware-Produkten seit Anfang 2020 zu vermerken. Menschen weltweit arbeiteten vermehrt im Homeoffice, sodass innerhalb kürzester Zeit Webcams und Drucker zur Mangelware wurden. Gleichzeitig stieg das Bedürfnis, das eigene Heimentertainmentsystem aufzurüsten. Immerhin sind Unterhaltung und Zerstreuung in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten gefragter denn je.

Nicht nur die aktuellen und neuesten GPUs sind schlichtweg vergriffen, selbst ältere Generationen aus der Mittel- und Einstiegsklasse gelten als Raritäten. Und wenn einzelne Karten wie von Zauberhand im World Wide Web erscheinen, schnellen die Preise in die Höhe, sodass sich ein Kauf für das Gros der Gamerinnen und Gamer kaum rentiert.

Nicht ganz so fatal gestaltet sich der Blick auf die CPUs. Kurz nach der Veröffentlichung der Ryzen™-5000er-Serie im November 2020 kam es zum Run auf die leistungsstarken Prozessoren von AMD. Mehrere Wochen waren diese schlichtweg vergriffen oder ausschließlich für einen Aufpreis gegenüber der UVP erhältlich. Mittlerweile hat sich die Lage deutlich verbessert und der Preis für die überzeugenden Allrounder hat sich stabilisiert. Von Aufschlägen von über 40 % ist zumindest seit Mai 2021 nicht mehr zu reden.

Die Auswirkungen der Pandemie sind nicht nur in der Elektronikbranche spürbar, sondern auch im Baugewerbe. Ein Mangel an wichtigen Materialien wie Holz, Stahl und Kunststoffe deutete sich Ende 2020 an. Mit Beginn des Jahres 2021 spitzte sich die Lage zu. Derzeit müssen Unternehmen zum Teil bis zu 5 Monate warten, um essenzielle Baustoffe wie Kabelummantelungen, Farbe und Holz zu erhalten.

Die Ursache für die geringe Verfügbarkeit der Rohstoffe ist in diesem Fall Covid-19. Rund die Hälfte der Kunststoffe importieren wir aus Asien. Dort wurden jedoch, wie in fast jeder Wirtschaftsbranche, vergangenen Jahres die Produktionskapazitäten stark heruntergefahren, um eine Ausbreitung der Pandemie entgegenzutreten. Erst vergangenen Herbst konnten die Produktionsstätten langsam zu ihrem gewohnten Alltag zurückkehren. Allerdings stehen die Fabriken noch nicht unter Volllast.

Zusätzlich zu dem Faktor Corona sorgte der strenge Winter in den USA für Schwierigkeiten in der Holzproduktion. Schlechte Wetterverhältnisse verzögerten die Weiterverarbeitung und den Transport des Holzes. Darüber hinaus hamstern viele mittelständische Unternehmen, aus Angst derzeitige oder zukünftige Aufträge nicht fristgerecht erfüllen zu können, Rohstoffe wie Elektrobauteile, Holz, Betonstahl und Kunststoffe. Ein Anstieg der Preise wird mit dieser Herangehensweise begünstigt.

Der Mangel an Materialien und das Hamstern aufgrund der Pandemie sind ursächlich dafür, dass Baustellen vorübergehend stillstanden und die Kosten für Baustoffe in die Höhe schossen. Für Betonstahl müssen Unternehmen derzeit rund 30 % mehr bezahlen als zum gleichen Zeitpunkt 2020. Die Preise für Styropor, das als Dämmmaterial in Häusern Verwendung findet, stiegen allein im April 2021 um 50 %. Trauriger Rekordhalter ist der Holzpreis, der binnen eines Jahres um 400 % anwuchs.

In der Autoindustrie herrscht wie in der Hardware-Branche ein Chipmangel vor. Doch ist in diesem Fall Corona nur zu einem geringen Teil Auslöser des Problems gewesen. Die Autobauer haben aufgrund der Pandemie mit einem Rückgang der Bestellungen gerechnet und weniger Chips bei den Herstellern angefragt. Eine Fehlkalkulation mit gravierenden Auswirkungen.

Denn die Nachfrage wuchs schneller als gedacht. Große Lieferanten wie TSMC hatten in der Zwischenzeit ihre Produktion umgestellt und stoßen aufgrund der weltweiten Materialknappheit an ihre Produktionsgrenzen. Hinzu gesellt sich die Problematik, dass die Autoindustrie ein sehr kleiner Abnehmer an Mikrochips ist. Nur rund 8 % der produzierten Halbleiter werden in Autos verbaut, während ca. 50 % an große Computer- und Smartphone-Hersteller wie Samsung, Apple und Huawei wandern. Dass bei diesen Größenverhältnissen und zu Zeiten einer Pandemie die Autohersteller zurückstecken muss, ist vonseiten der Halbleiter-Hersteller verständlich.

Die Folgen der Corona-Pandemie sind weitreichend und betreffen zahlreiche Branchen. Eine hohe Nachfrage im Baugewerbe, in der Autoindustrie und im Bereich der Home-Elektronik und der Homeoffice-Produkte führt nicht nur zum Mangel an Waren, sondern auch zum Anstieg der Preise. Heruntergefahrene Produktionskapazitäten und unterbrochene Lieferketten resultieren aus Covid-19 und verursachen eine weltweite Wirtschaftskrise, deren Ausmaße noch nicht feststehen.

Das Krypto-Mining: Eine konstante Belastung für den Hardware-Markt

Krypto-Mining hat sich seit der Entstehung der ersten digitalen Währung, dem Bitcoin, zum wahren Hype entwickelt. Bei einem aktuellen Wert von 31.328,16 Euro pro Bitcoin (Stand 27.05.2021) ist der Trend zur Mining-Farm kaum verwunderlich. In diesen arbeiten zahlreiche Grafikkarten im Verbund, um neue Blöcke zu ermitteln. Für die Entdeckung eines Blocks erhalten die Miner eine Belohnung in Form des digitalen Geldes. Allerdings wird für die Berechnung der Blöcke, die mit schwierigen mathematischen Aufgaben verschlüsselt sind, sehr viel Rechenleistung benötigt. Um diese zu generieren, verbinden Schürfer entsprechend viele GPUs miteinander.

Gerade die aktuellen Generationen von AMD und NVIDIA® sind attraktiv für Miner. Gaming-Grafikkarten wie die RX 6900XT oder die RTX™ 3090 verfügen über die notwendige Performance, um verhältnismäßig schnell neue Blöcke zu entdecken. Konstruktionen von weit über 100 GPUs sind hier keine Seltenheit. Ein unrühmliches Beispiel aus den USA hat erst kürzlich gezeigt, wie der Miner Simon Byrne es schaffte, sich ganze 78 Modelle der RTX™ 3080 zu sichern. Kombiniert mit zahlreichen GTX™-1080-Ti-Modellen hat der Schürfer sich ein Mining-Rig – bestehend aus 143 Grafikkarten –zusammengebaut.

Zur Erinnerung: Nicht nur die RTX™ 3080 zählt unter Gamerinnen und Gamern zu den derzeit beliebtesten Reihen. Die GTX™ 1080 Ti wird immer noch für ihre erstklassige Performance geschätzt und gehört seit geraumer Zeit zu den End-of-Life-Produkten.

Das Beispiel Simon Byrne spiegelt somit das Offensichtliche wider. Mining-Farmen haben eindeutig ihren Anteil an der Grafikkarten-Knappheit. Seinen Tribut fordert das Mining auch in anderen Bereichen. Mit der neuen Krypto-Währung Chia könnte bald der SSD- und HDD-Markt von der Mining-Industrie betroffen sein. Im Gegensatz zu Bitcoin und Ethereum setzt Chia nicht auf reine Rechenleistung, sondern vor allem auf Speicherkapazität.

Die Auswirkungen auf den SSD- und HDD-Markt sind in Europa noch nicht spürbar. Anders verhält es sich im asiatischen Raum, wo zahlreiche SSDs vor dem Start des Netzwerkes einen Preisanstieg verbuchten. Ob und inwiefern sich dieses Phänomen fortsetzt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum realistisch einschätzen. Denn große Firmen wie Teamgroup arbeiten bereits an eigenständigen Mining-SSDs, um eine Produktknappheit auf dem Consumer-Markt zu unterbinden.

Zusammengefasst lässt sich für den Faktor Krypto-Mining feststellen, dass die Schürf-Farmen einen nicht zu verachtenden Einfluss auf den Grafikkarten-Sektor haben. In den Jahren 2017 und 2018 war der Frust unter Gamerinnen und Gamern groß, als die neuen Polaris-Karten von AMD kaum erhältlich waren. Mit der jetzigen Generation an leistungsstarken GPUs sehen wir uns mit einer alten Thematik konfrontiert. Von den Herstellern unterschätzt, sorgen die Auswirkungen des Krypto-Minings für Unmut in der Gaming-Community.

Um die Produktverfügbarkeit im Bereich der Gaming-Grafikkarten zu verbessern, plant NVIDIA® die Einführung einer GPU-Reihe, die direkt fürs Schürfen von Bitcoins und Ethereum gedacht ist. Die Karten laufen unter Bezeichnung CMP, wobei die kleinste Ausführung der 30 HX entspricht. Mit Blick auf die technischen Details ist die günstigste Variante vergleichbar mit einer GTX™ 1660 Ti. Angekündigt waren die ersten Ableger der CMP-Serie für das erste Quartal 2021, aber der Release (Stand 04.06.2021) steht immer noch aus. Ob und wann diese Maßnahme den Grafikkarten-Markt beeinflusst, ist Zukunftsmusik. Vor allem vor dem Hintergrund, dass eine Mining-Grafikkarte mit der Leistung einer GTX™ 1660 Ti Schürfer wohl kaum anspricht.

Wesentlich leichter in der Umsetzung ist NVIDIAs® Plan, die Modelle RTX™ 3080, RTX™ 3070 und RTX™ 3060 Ti mit einer Mining-unfreundlichen Software auszustatten. Die ab Mai verfügbaren Varianten sind mit der Aufschrift LHR, Light Hash Rate, gekennzeichnet und sollen die Hash-Rates beim Mining von Ethereum um die Hälfte reduzieren. Mit dieser Aktion werden Gaming-Grafikkarten für Schürfer unattraktiv, sodass sich der Markt eventuell etwas entspannt.

Wassermangel in Taiwan bedroht Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie

Taiwan gehört zu den größten Chip-Exporteuren weltweit. Doch in diesem Jahr herrscht in der demokratischen Republik eine katastrophale Dürre. Erstmals seit über 50 Jahren ist im Vorjahr kein Taifun über den Inselstaat gezogen. Die Wirbelstürme und deren Regen benötigt das Land, um die eigenen Wasserreservoirs zu füllen. Durch das Ausbleiben des Regens sind die Wasserstände unter 20 % gesunken und die Regierung musste die Wasserversorgung stark reglementieren.

In verschiedenen Regionen des Staates werden seit April zweimal in der Woche die Wasserleitungen abgestellt. Das betrifft rund 1 Million Einwohner. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser aufrechtzuerhalten, stellt die Regierung Wasserwagen bereit. Landwirtschaftliche Flächen liegen im Zuge des Sparplans brach, wodurch Taiwan ein wenig Luft bis zur Regenzeit im Mai gewinnt. Die Industrie wurde aufgefordert, den Wasserverbrauch um 15 % zu reduzieren. Eine Maßnahme, die angesichts der vorherrschenden Dürre mehr als verständlich ist.

Die Chip-Fertigung verbraucht Unmengen der lebenswichtigen Ressource. Der Auftragsfertiger TSMC, der Branchengrößen wie AMD mit Chips beliefert, benötigte laut eigenen Angaben im Jahr 2019 täglich rund 160.000 Tonnen Wasser, um eine reibungsfreie Produktion in allen Fabriken sicherzustellen. TSMC ist nicht der einzige Lieferant für Mikrochips. Hinzu gesellen sich United Microelectronics, der zweitgrößte Chip-Anbieter Taiwans, und Winbond. Mit Unimicron haben wir ein taiwanesisches Unternehmen, das für die Produktion von Ajinomoto Build-up Film (ABF) verantwortlich ist. Das Substrat wird vor allem bei der Ätzung von 7- und 5-nm-Chips eingesetzt und gilt wie Wasser als notwendige Ressource, um Prozessoren herzustellen.

Die Auswirkungen der Wasserknappheit in Taiwan sind dementsprechend umfangreich. Zahlreiche Hersteller wie AMD, NVIDIA®, Microsoft® und Sony benötigen die Chips für ihre eigenen Produktionslinien. Zwar versuchen die Zulieferer den Ressourcenmangel mithilfe von zusätzlichen Wasserlieferungen zu kompensieren, allerdings hat diese Menge wohl kaum ausgereicht, um die Fertigung in gewohnter Weise fortzuführen. Für die Bevölkerung sowie die Industrie in Taiwan bleibt zu hoffen, dass mit der Regenzeit eine baldige Besserung der Situation eintritt.

Kapazitätsgrenzen schränken die Produktion ein

Kaum ein Anbieter von Prozessoren- und Grafikchips fertigt seine Produkte selbst. Unternehmen wie AMD, NVIDIA® und Intel® sind auf Zulieferer wie TSMC angewiesen. Diese können sich zwar über volle Auftragsbücher freuen, aber die gewünschten Mengen nicht liefern. Im Fall von AMD produziert TSMC nicht nur die CPU– und GPU-Chips, sondern auch die wichtigen SoCs für die PS5 und die Xbox Series X. Hier treffen somit neue Konsolen, Prozessoren und Grafikkarten von einem Anbieter auf zu geringe Produktionskapazitäten.

NVIDIA® lässt seine Chips bei Samsung fertigen. Der südkoreanische Hersteller dient als Zulieferer und Produzent von zahlreichen hauseigenen Produkten wie Tablets, Fernsehern und Smartphones. Letztere verzeichneten im asiatischen Raum in den vergangenen Monaten einen wahren Boom, sodass das Produktionsvolumen in keinem Verhältnis zur Nachfrage stehen dürfte.

Zwar beteuern die Zulieferer regelmäßig, dass die Produktion hochgefahren wird, aber eine spürbare Verbesserung der Situation ist derzeit nicht in Sicht. Effektiver wäre der Bau neuer Fabriken, wie es TSMC für 2021 plant. Allerdings ist diese Maßnahme äußerst langwierig und kann nur vor zukünftigen Engpässen schützen.

Silizium-Mangel behindert Chip-Produktion

Zur Herstellung von Halbleitern wird reines Silizium benötigt. Laut Schätzungen von Dr. Peter Buchholz, Leiter der Deutschen Rohstoffagentur, ist China mit einem Anteil von 70 % der größte Produzent. Dabei ist die Gewinnung des Materials äußerst energieintensiv und aufwendig. Wie bei anderen Prozessen der Chip-Fertigung gilt auch hier Wasser als wichtige Ressource. Seit 2020 ist jedoch die Produktion von reinem Silizium gesunken.

Hintergrund hierfür sind mehrere Faktoren. Zum einen mussten in China einige Wasserkraftwerke ihren Betrieb aufgrund der vorherrschenden Trockenheit einstellen. Die notwendige Energie für den Fertigungsprozess fehlte folglich. Zum anderen wurden bestimmte Regionen in China von Überschwemmungen heimgesucht, die zur Stilllegung der Produktionsstätten führten. Ein dritter Faktor ist Corona im Zusammenhang mit der Gewinnung von reinem Silizium. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mussten die Produktionskapazitäten zum Teil reduziert werden, was in vielen Industriezweigen zu spürbaren Einschnitten führt.

Nicht nur PC-Hardware und Konsolen sind von dem Mangel an Silizium betroffen. Die Autoindustrie wurde ebenfalls zum Teil lahmgelegt. Bei Audi mussten ca. 10.000 Menschen in Kurzarbeit geschickt werden, während die Bänder bei Daimler und VW teilweise still lagen. Wann Silizium wieder in ausreichender Menge vorhanden sein wird, lässt sich nicht absehen. Buchholz rechnet erst mit einer Besserung der Lage, wenn die Nachfragespitzen abgearbeitet sind. Dementsprechend ist in diesem Sektor sehr viel Geduld gefragt.

Lange Transportwege sorgen für hohe Preise

Bekanntermaßen werden zahlreiche Hardware-Komponenten und Halbleiter im asiatischen Raum gefertigt. Damit diese als fertiges Produkt, wie beispielsweise eine PS5 oder Grafikkarte, unsere heimischen Händler erreichen, müssen zigtausende Kilometer zurückgelegt werden. Dafür dienen vor allem Frachtcontainer, aber auch Flugzeuge als Transportmittel. Ende 2020 berichtete das Online-Magazin heise.de über eine zunehmende Auslastung der Spediteure.

Diese greifen im Normalfall nicht ausschließlich auf die üblichen Transportwege zurück, sondern nutzen ebenfalls überschüssigen Frachtraum von Passagiermaschinen. Seit der Corona-Krise ist jedoch der Flugverkehr weltweit stark behindert. Gerade kleinere Flughäfen mussten zum Teil über Monate hinweg den Passagierbetrieb einstellen. Was vormals eine gute Alternative zum langen Seeweg gewesen ist, entfällt seit geraumer Zeit.

Der Ausweg heißt: Frachtverkehr über die Schifffahrt. Dieser ist allerdings äußerst langwierig und mittlerweile von steigenden Preisen betroffen. Zusätzlich führen unvorhersehbare Ereignisse auf dem Seeweg auch immer wieder zu Verzögerungen. Das jüngste Beispiel der MV Ever Green – eines der größten Containerschiffe weltweit – hat eindrucksvoll gezeigt, wie unberechenbar der Transport von Frachtgut zu Wasser sein kann. Die Havarie der MV Ever Green sorgte am 23.03.2021 für eine fast einwöchige Blockade des Suezkanals. Dieser gehört zu den wichtigsten Wasserstraßen, über den unter anderem Komponenten für die Autoindustrie, aber auch GPUs, CPUs und Konsolen nach Europa geliefert werden. Obwohl der Suezkanal aufgrund der MV Ever Green „nur“ für eine Woche für den Frachtverkehr in beide Richtungen gesperrt war, stauten sich knapp 200 Frachtschiffe auf der Handelsstraße. Die für sämtliche Industriezweige so wichtige Lieferkette war unterbrochen.

Solche Beispiele zeigen deutlich, wie schnell eine Verkettung ungünstiger Umstände zu einer Erhöhung der Preise und einem Mangel an Produkten führen kann.

Ausbau von Rechenzentren könnten ihren Tribut fordern

Jeder kennt und nutzt sie, die Cloud-Dienste. Ob Netflix, Amazon Prime, Microsoft® Game Pass oder YouTube – jede dieser Plattformen stellt ihre Inhalte via Cloud bereit. Damit die Medien schnell dem Endkonsumierenden zur Verfügung stehen, werden riesige Rechenzentren benötigt, in denen Server die Daten speichern und weiterleiten. Große Firmen wie Amazon, Microsoft® und Google sind verständlicherweise daran interessiert, ihr Speichervolumen zu vergrößern. Daher rechnen Marktbeobachter wie DRAMeXchange mit einem weiteren Ausbau der Rechenzentren im Jahr 2021.

Tritt diese Situation ein, könnten Hardware-Komponenten wie CPUs, SSDs und RAMs von einer Preissteigerung betroffen sein. Gerade die schnellen Flashspeicher werden zum Aufbau eines hohen Speichervolumens benötigt. Schließlich wachsen die Medienbibliotheken bekannter Branchengrößen stetig an. Der Arbeitsspeicher dient zur Übermittlung der Informationen zwischen Prozessor und SSD. Um die großen Datenmengen in kürzester Zeit abzuarbeiten, sind an dieser Stelle gewisse Kapazitäten gefordert.

Zusätzlich wäre es nicht unwahrscheinlich, dass neue und leistungsstärkere CPUs wie die Epyc™-7003-Reihe von AMD oder die Ice-Lake-SP-Serie von Intel® eingesetzt werden. Diese bieten mit ihren zahlreichen Kernen die perfekte Basis für moderne Rechenzentren. Sollten Amazon, Google und Microsoft® wirklich ihre Serverstationen upgraden und dementsprechend große Mengen bestellen, reduzieren sich wichtige Fertigungskapazitäten, die andernfalls für den Consumer-Markt in Form von Prozessoren, Grafikchips oder SoCs (System-on-a-Chip) frei wären.

Mit dem Ausbau der Serverkapazitäten wäre ein Anstieg der Preise für SSDs und DRAMs sehr wahrscheinlich. Infolgedessen wird die Fertigung von wichtigen PC- und Konsolen-Komponenten vertagt, weil große Firmen bekanntermaßen ein gewisses Vorrecht genießen.

Wucherpreise dank Scalper

Die Next-Gen-Konsolen sind vielerorts vergriffen und die Lage auf dem Grafikkarten-Markt sieht keineswegs besser aus. Dennoch erscheinen im Internet immer wieder vereinzelte Angebote der sehnlichst erwarteten Ware. Diese wird oftmals über einschlägige Portale wie eBay® zu Wucherpreisen dargeboten. Zuschläge von über 200 % der UVPs sind hierbei keine Neuheit. Doch wie kommen die Verkäufer zu den begehrten Produkten?

Dahinter stecken sogenannte Scalper. Diese nutzen das Prinzip von Angebot und Nachfrage zur eigenen Bereicherung aus. Gerade neueste Spielekonsolen und Grafikkarten sind von dieser Masche betroffen. Produktionsengpässe, Materialknappheit und ein hohes Interesse am Produkt führen dazu, dass die Hersteller den Bedarf nicht decken können. Das bedeutet, dass die Ware – einmal online vorhanden – innerhalb kürzester Zeit vergriffen ist.

An diesem Punkt setzen Scalper mit ihrer Masche an. Organisiert in Gruppen verwenden sie spezialisierte Bots, um in Sekundenschnelle so viele Bestellungen wie möglich zu platzieren und große Mengen der gewünschten Ware zu ergattern. Das ist im ersten Schritt nicht illegal. Denn ein Verbot existiert von Rechts wegen nicht. Das größere Problem, was überwiegend Fans der Next-Gen-Konsolen und Gamerinnen wie Gamer in Rage treibt, ist, dass die Scalper ihre Ware zu horrenden Preisen im Internet darbieten. Ein unmoralisches Handeln, das vor allem in der Gaming-Community immer wieder für Empörung sorgt.

Händler sowie Hersteller versuchen dem Scalping mit jeweils eigenen Methoden entgegenzutreten. Auf vielen Online-Plattformen dürfen mittlerweile nur noch einzelne Produkte und keine Sammelbestellungen aufgegeben werden. Durch die gute Organisation der Scalper zeigt diese Maßnahme kaum Wirkung. Und solange es User gibt, die bereit sind, für eine PS5 statt 499 € auch 1.899 € zu bezahlen, wird sich in naher Zukunft an dem lukrativen Geschäft der Scalper nichts ändern.

Wann ist ein Ende in Sicht?

Nach der ausführlichen Beleuchtung der acht Faktoren, die die Produktknappheit bedingen, lässt sich feststellen, dass keineswegs ein einziger Auslöser an der jetzigen Situation schuld ist. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Aspekte, die zu einer ungünstigen Zeit zusammentreffen und die derzeitige Lage heraufbeschworen haben. Zwei oder drei Ursachen hätte die Industrie mit Sicherheit verschmerzen können, aber durch die Flut an unterschiedlichen Einflüssen ist die Produktknappheit unvermeidbar gewesen.

Wann wieder mit neuen Waren, einer funktionierenden Lieferkette und stabilen Preisen zu rechnen ist, steht bisher in den Sternen. Selbst Branchen-Experten sind sich bei der Beantwortung dieser Frage uneinig. Während einige auf eine Besserung ab Mitte 2021 hoffen, gehen Industrie-Analysten davon aus, dass die Chipknappheit mindestens bis 2022 anhält. Harlan Sur, ein Analyst der US-amerikanischen Bank J.P. Morgan, rechnet damit, dass die Produktion der Hersteller momentan zwischen 10 % bis 30 % unter dem Nachfrageniveau liegt. Laut seiner Meinung benötigen die Unternehmen ca. 3 bis 4 Quartale, um das Angebot an die Nachfrage anzupassen. Danach würde es ein bis zwei weitere Quartale dauern, bis die Ware in ausreichender Menge in den Regalen bzw. in den Lagerhallen der Händler ankommt.

Maribel Lopez, Analyst von Lopez Research, bezeichnet das derzeitige Phänomen als „perfekten Sturm“ von Nachfrage- und Angebotsproblemen. So gut wie jedes Produkt auf dem Markt verfügt mittlerweile über einen Mikrochip, sodass die Produktionsstätten auch in naher Zukunft nicht mit der Fabrikation hinterherkommen werden. Zusätzlich fördert, so Maribel Lopez, der Trend zu immer kleineren Fertigungsverfahren den Mangel an Halbleitern. Denn der Herstellungsprozess wird dadurch wesentlich komplexer und beansprucht mehr Zeit.

Doch Licht am Ende des Tunnels ist bisher nicht zu sehen. Der Analyst von Stifel, Matthew Sheerin, äußert sich besorgt über die anhaltenden Lieferunterbrechungen und die hohen Materialkosten. Seiner Meinung nach ist mit einer Bestandskorrektur für das zweite Halbjahr 2021 nicht zu rechnen.

Bis 2024 möchte der taiwanesische Halbleiter-Hersteller TSMC 100 Mrd. Dollar in die Aufrüstung seiner Produktionsstätten und in den Neubau von Fabriken stecken. Samsung plant eine Erweiterung in Höhe von 116 Mrd. Dollar, während Intel® mit vergleichbar geringen 20 Mrd. Dollar in die Zukunft investiert. Das sind erste Manöver in die richtige Richtung, doch zur Lösung des jetzigen Problems tragen die Umstrukturierungen und der Ausbau nicht bei. Denn die Maßnahmen der großen Unternehmen greifen erst in den nächsten Jahren.

Unsere Prognose für das Jahr 2021 wird entsprechend niemanden erfreuen. Denn mit Blick auf die zahlreichen Faktoren, die zur Produktknappheit führen, und der immer noch vorherrschenden Pandemie ist eine baldige Besserung der Lage wohl mehr als utopisch.

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