Ask the Gamer

Jeder kennt sie: die nervigen Mitspieler und Mitspielerinnen, die jeden Zug im Teamspiel kritisieren und versuchen, anderen zu sagen, wie es geht. Selbstbewusst und vorlaut sind sie vom eigenen Können überzeugt, während erfahrenere Spieler und Spielerinnen nur den Kopf schütteln. Liegt den Aussagen nichts Handfestes zugrunde, handelt es sich wahrscheinlich um einen Fall des sogenannten Dunning-Kruger-Effekts.

Grundlagen des Dunning-Kruger-Effekts

Das Phänomen ist seit einer Studie aus dem Jahr 1999 bekannt. Es handelt sich um eine kognitive Verzerrung davon, wie jemand die eigenen Fähigkeiten wahrnimmt. Menschen mit wenig Können neigen dazu, sich selbst zu überschätzen. Entgegen der Realität sind sie vom eigenen Wissen so überzeugt, dass sie damit um sich schmeißen. Weil sie dabei selbstbewusst auftreten, tendieren die meisten Zuhörer außerdem dazu, ihnen zu glauben.

Dem liegt ein simpler Effekt zugrunde: Wer gerade erst anfängt, ein Thema zu lernen, hat das Gefühl, bereits alles zu wissen. Die Erkenntnis, dass die Materie komplexer ist als angenommen, kommt erst später. Doch viele erreichen diesen Punkt nicht, weil sie vorher mit dem Lernen aufhören. Gleichzeitig sind sie aber auf einem Hoch des Selbstbewusstseins, weil sie gerade die Grundlagen begriffen haben. Daher sind sie sehr selbstsicher und tragen das nach außen – und überschätzen ihr Können maßlos.

Der Dunning-Kruger-Effekt beim Gaming

Wie überträgt sich der Dunning-Kruger-Effekt nun konkret auf Online-Games? Da gibt es zwei Varianten: den vorlauten Neuling, der allen sagt, was zu tun ist, und den aggressiven Besserwisser, der mit Beleidigungen um sich schmeißt. Besonders letztere Variante wird gern auch als „toxisch“ bezeichnet, weil sie den Spaß vermiest. Beiden gemein ist: Sie sind davon überzeugt, genau zu wissen, wie der Hase läuft, und nerven die Teammitglieder mit Anweisungen. Die Weisheit gabs zum Frühstück und wenn sie doch einmal verlieren, verstehen sie die Welt nicht mehr. Toxische Spieler und Spielerinnen beschuldigen dann gern die anderen, während sie jeden Fehler gemacht haben, der möglich war.

Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei Spielen, die über einen Singleplayer-Modus verfügen. Wer den zunächst durchspielt, kommt sich wie ein Überflieger vor. Dass es in der Online-Welt nicht nur KI-Gegner gibt, sondern auch Menschen auf der gegnerischen Seite stehen, übersehen sie. Maßlose Selbstüberschätzung nach dem Dunning-Kruger-Effekt ist die Folge, durch die Betroffene hilflos ins Versagen schlittern – sie verlieren. Wer hier erkennt, dass das eigene Wissen geringer ist als zunächst angenommen, kann wachsen. Aus diesen Personen werden unter Umständen noch passable oder wirklich gute Spieler und Spielerinnen. Wer die Kurve nicht kriegt, bleibt der Online-Games-Welt als Nervensäge erhalten.

Ihr seid gefragt: Kennt Ihr solche Personen?

Seid Ihr selbst schon dieser Sorte Spieler und Spielerinnen begegnet? Oder habt Ihr dieses Phänomen schon mal bei Euch selbst beobachtet? Habt Ihr so jemanden im festen Team? Wie geht Ihr damit um, wenn Ihr solchen Leuten im zufälligen Match begegnet? Diskutiert mit uns auf Facebook!

Share