Ask the Gamer

Remakes und Remaster-Versionen von alten Spielen sind keine Neuerscheinung, sondern gehören einer langen Tradition an. Bereits Atari nutzte die Chance und legte drei Jahre nach der Erstveröffentlichung das Game Adventure als grafische Version nach. Bei Nintendo sind Neuauflagen seit der zweiten Konsolengeneration gang und gäbe. Wieso erscheint es uns heutzutage so, als ob Remasters die Spielindustrie gefährden?

Die Antwort auf diese Frage liegt wahrscheinlich an der Fülle der Games, die in den letzten Jahren ein Remake erfahren haben. Darunter finden sich Titel wie Final Fantasy VII, Zelda: Links Awakening, GTA V und Resident Evil 3. Und auch das Jahr 2021 ist geprägt von dem Hype der Neuauflagen. Mit Diablo 2: Resurrected sehen wir einen prominenten Vertreter unter den Remakes, der zwar größtenteils gute Kritiken erhalten hat, aber oftmals etwas mutlos wirkt.

Die Kritik an den Neuauflagen

Ein Spiel Jahre nach seiner Erstveröffentlichung grafisch zu überarbeiten, Steuerelemente zu modernisieren und dem Ganzen einen neuen Schliff zu verleihen, ist vor allem für Kritiker reine Geldmacherei. Ihnen zufolge fehle es den Entwicklern an Kreativität und Ideen. Zudem sind die Kosten eines Remasters bzw. Remakes oftmals geringer, als wenn ein Spiel von der Kinderwiege aus entwickelt werden muss.

Der Vorwurf lautet: Nur das schnelle Geld zählt! Und wenn wir uns die Verkaufszahlen anschauen, ist diese Annahme nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Immerhin ist die Neuauflage von Resident Evil 3 innerhalb von 5 Tagen 2-millionenfach verkauft worden. Das ist mehr als die Hälfte, die das Original in der gesamten Verkaufszeit einspielte. Übertroffen wird dieser Erfolg vom Final-Fantasy-VII-Remake, das für 3,5 Millionen erstandene Kopien nur 3 Tage benötigte.

Dass jedoch dieses Vorgehen nicht immer Begeisterungsstürme bei der Fan-Community hervorruft, hat Blizzard mit Warcraft III: Reforged eindrucksvoll bewiesen. Von den ehemaligen Versprechungen einer komplett überarbeiteten Version mit neuer Grafik, großartigen Zwischensequenzen und einer modernen Steuerung ist nichts geblieben. Ganz im Gegenteil wurde das Spiel in so ziemlich jedem Aspekt von den Entwicklern vergeigt, was sich in einer niederschmetternden Wertung von 0,6 von 10 Punkten auf metacritic.com widerspiegelt.

In diesem Fall dürfte der Vorwurf der Kritiker stimmen, dass Blizzard nur das schnelle Geld im Fokus hatte und wenig Wert darauf gelegt hat, seine Fans mit einem gelungenen Remake zu beglücken. Anders verhält es sich bei Final Fantasy VII und Resident Evil 3, die mit ihren Neuauflagen große Erfolge feierten. Allerdings hat sich Square Enix im Fall von Final Fantasy VII nicht nur Zeit genommen, um das Spiel grafisch und inhaltlich aufzubessern, sondern auch mit dem Budget keinesfalls gespart. Laut dem Investmentbanker Atul Goyal soll das Studio stolze 140 Millionen Dollar in das Remake investiert haben. Die Entwicklungskosten für das Original beliefen sich auf rund 40 Millionen Dollar.

Ein positives Beispiel, das zeigt, dass nicht jeder Publisher in den Neuauflagen eine einfache Methode sieht, um Geld in die Kassen zu spülen.

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Werden wir in Zukunft von Remakes überrannt?

Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass der Trend zu überarbeiteten Titeln mit hübscherer Grafik, verbesserter Story und neuen Inhalten in den letzten Jahren zugenommen hat. Die ehemalige Randerscheinung in der Gaming-Industrie hat mittlerweile einen festen Stand und wird so schnell nicht wieder von der Bildfläche verschwinden.

Und bei aller Kritik an der fehlenden Kreativität und Innovation, die uns wieder aufgewärmte Games bieten, dürfen wir einen wichtigen Aspekt nicht vergessen. Klassiker neu zu entdecken, hat durchaus seinen Reiz für junge und alte Gamer-Generationen. Während Neulinge auf dem Gebiet des Gamings einen wahren Spielehit vergangener Jahrzehnte das erste Mal erblicken, erleben Nostalgiker ihre Lieblingshelden im frischen Gewand und schwelgen in Erinnerungen.

Die Befürchtung, dass Remakes unsere Spielindustrie zerstören, ist unserer Meinung nach nicht gegeben. Mit Titeln wie Deathloop, The Medium, Control oder The Last of Us 2 – um nur einige zu nennen – haben wir binnen eines Jahres würdige Vertreter, die für krachende Action und emotionale Stories sowie das gewisse Gänsehaut-Feeling stehen. Kombiniert mit den beliebten Serien-Hits rund um Assassin’s Creed und Far Cry, ist für genügend Abwechslung gesorgt, um die ein oder andere Neuauflage pro Jahr in Kauf zu nehmen.

Was haltet Ihr von dem Trend, alte Schinken neu aufzuwärmen? Und gibt es ein Remake, das Ihr seit langem ersehnt? Teilt uns Eure Meinung auf Facebook mit!

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