Ask the Gamer

Im ehemaligen Osten Deutschlands waren PCs ein seltener Anblick. Selbst gebrauchte Geräte aus dem Westen waren kaum zu bezahlen. Die Computerfreaks behalfen sich daher schlichtweg selbst und bauten ihre eigenen Rechner zusammen. Mit Computerclubs machten Sie sie dann anderen zugänglich, die sich keine leisten konnten.

Die Computer Ostdeutschlands waren gänzlich anders als heutige PCs. Einmal gestartet, gab es einen Bildschirm mit blinkendem Cursor und sonst nichts. Bildschirmtext und Netzwerke gab es nicht. Die kleinsten Geräte sahen aus wie heutige Taschenrechner. Andere bestanden aus einer hohen Tastatur, unter der die gesamte Technik verbaut war. So auch der Commodore 64. Das klobige Gerät war im Osten nur gebraucht erhältlich – und kostete mit vier- bis sechstausend DDR-Mark ein halbes Jahresgehalt. Für die Computerfreaks war es jedoch revolutionär, weil es einer der Rechner war, der eine richtige Tastatur aufwies.

Grundstein des ersten Computerclubs mit zwei Rechnern

Einer dieser Bastler war Stefan Paubel. 1984 begann seine Faszination für Computer, als er völlig unwissend das erste Mal einen kleinen Rechner einschaltete. Das Programmieren kleinerer Anwendungen fesselte ihn so sehr, dass er sich intensiv mit den Geräten befasste. Bald schon war auch ein Commodore 64 Teil seiner Habe. Er verwendete sein gesamtes Geld für die Geräte, um herauszufinden, wie sie funktionierten – was sie konnten.

Das erstreckte sich sogar darauf, aktiv an der Hardware selbst zu basteln, da es in der DDR keine Ersatzteile gab. Um sich mit anderen austauschen zu können, gründete Paubel daher 1986 den ersten Computerclub mit zwei Rechnern, darunter sein Commodore 64. Sein Club stieß auf großes Interesse. Direkt zu Beginn kamen bis zu 50 Leute und fachsimpelten miteinander. Neben Vorträgen und dem Bauen an den Computern wurden auch Zeitschriften, Programme und Spiele getauscht. Wissen wurde geteilt. Die Fans und Bastler der Heimcomputer bildeten eine richtige Subkultur.

Die Computerfreaks als Hackerbewegung

Die Historikerin Julia Erdogan sieht die Bastler an Rechnern wie dem Commodore 64 sogar als eine Hackerkultur. Den Begriff „Hacker“ fasst sie dabei weiter, als es heute üblich ist. Die erste Verwendung des Begriffs am MIT bezog sich auf das kreative Lösen eines Problems mit Modelleisenbahnen. Er bedeutete, um die Ecke zu denken und dabei die Regeln ein wenig zu biegen. Die Computerfreaks der DDR taten genau das: Sie bastelten und probierten aus, um das Problem der fehlenden Ersatzteile zu beheben. Sie bauten selbst an den Geräten und programmierten wie wild, um Lösungen zu finden.

Nun ist Eure Meinung gefragt. Was haltet Ihr von den alten Rechnern? Und was sagt Ihr zu der Überlegung, dass es sich bei den Bastlern um Hacker handelte? Lasst es uns auf Facebook wissen!

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