Ask the Gamer

Es sind bereits einige Wochen vergangen, seitdem die Klage des Staates Kalifornien gegen Blizzard wegen jahrelanger Benachteiligung und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz einging. Wirklich beruhigt hat sich die Lage allerdings noch nicht. Sowohl der Blizzard-Präsident als auch der Personalleiter des Unternehmens verkündeten nun ihren Rücktritt.

Zur Ausgangslage: Nach ausführlicher Recherche wurde Blizzard wegen eines Sexismus-Skandals und einer fragwürdigen Unternehmenskultur verklagt. Wir haben das Thema bereits in einem früheren Beitrag beleuchtet, in dem Ihr mehr über die Details der Anschuldigungen erfahrt. Infolgedessen kündigte Ende Juli Bobby Kotick, der CEO von Activision Blizzard, einige Maßnahmen an, die die Spieleschmiede wieder auf den richtigen Weg zurückführen sollen. Neben „Listening Sessions“, bei denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich frei über die Situation im Unternehmen aussprechen und Verbesserungsvorschläge einbringen können, standen auch Änderungen am Personal und den Einstellungspraktiken auf dem Plan. Im Rahmen dieser Aktion werden die Beschäftigten in den Führungspositionen neu bewertet. Stellt sich heraus, dass sie in der Vergangenheit die Integrität des Prozesses zur Auswertung von Anschuldigungen gestört haben, soll eine sofortige Entlassung folgen.

Die ersten Köpfe rollen

Am 3. August kündigte Blizzard bereits eine große Veränderung in der Führungsriege an. Demnach ist der Blizzard-Präsident J. Allen Brack von seiner Position zurückgetreten und hat das Unternehmen nach 15 Jahren verlassen. In einer Pressemitteilung nennt Brack die Verfolgung neuer Perspektiven als offiziellen Grund für seinen Ausstieg, doch die derzeitigen Ereignisse haben wohl auch ihren Teil zu seinem Werdegang beigetragen. Er selbst stand in der Kritik und wurde in der Klage ebenfalls namentlich erwähnt. Laut dieser habe Brack selbst bei mehrmaligen Fällen sexuellen Fehlverhaltens des Ex-Creative Director Alex Afrasiabi nicht ausreichend reagiert. In einem Video von der BlizzCon 2010 sind die beiden bereits negativ aufgefallen. Dabei fragte eine mutige Frau, ob die weiblichen Charaktere in World of Warcraft weniger sexualisiert werden könnten. Brack und Afrasiabi belächelten den Einwand und antworteten mit unangebrachten Kommentaren.

Neue Doppelspitze

Statt eines direkten Nachfolgers für J. Allen Brack wird die Aufgabe nun gleich von zwei Personen übernommen: Jen Oneal und Mike Ybarra. Die neue Vizepräsidentin Jen Oneal ist damit die erste Frau in dieser Position. Erst im Januar dieses Jahres wurde sie als Executive Vize President of Development bei Blizzard eingestellt. Die frühere Leiterin des Studios Vicarious Visions weist bereits mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Branche auf und engagiert sich für die Förderung von Frauen in der Spieleindustrie.

Ihr Kollege Mike Ybarra ist seit 2019 Teil des Unternehmens und übernahm dabei die Rolle als Executive Vize President und General Manager of Platform and Technology. Vorher arbeitete er 19 Jahre lang bei Microsoft. In Zukunft wird das Team für die Spieleentwicklung und die Führung des Unternehmens verantwortlich sein. Ob die beiden die Arbeitsbedingungen verbessern und das Vertrauen in das Unternehmen wiederherstellen können, bleibt abzuwarten.

Änderungen in der Personalabteilung

Neben Blizzard-Chef J. Allen Brack trat auch der Personalleiter Jesse Meschuk zurück. Nahezu zeitgleich veröffentlichte Axios einen Artikel mit heftigen Vorwürfen gegen Blizzards Personalabteilung. Folglich sei diese mehreren Personen dabei behilflich gewesen, Fälle von sexueller Belästigung und Fehlverhalten am Arbeitsplatz zu vertuschen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten, dass die Personalabteilung nicht nur weggeschaut, sondern die Täter zusätzlich noch aktiv in Schutz genommen habe. So soll Opfern, die eine Beschwerde einreichten, gedroht worden sein. In einem Kommentar zu Axios teilte Blizzard mit, dass sie jede Anschuldigung ernst nehmen würden und investigieren wollen.

Auch wenn die Situation weiterhin kritisch bleibt, sind die Personalwechsel ein erster Schritt in die richtige Richtung. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei nur um den Anfang und weitere Personen werden zur Rechenschaft gezogen. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Glaubt Ihr, dass die Veränderungen bei Blizzard etwas bewirken? Was sagt Ihr zur neuen Führungsspitze und wie habt Ihr auf den Skandal reagiert? Teilt Eure Meinung mit uns auf Facebook.

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