Gestern Abend ging die offene Beta für „Call of Duty: Modern Warfare“ zu Ende. Auch wir haben uns ins Kriegsgeschehen geworfen und viele Stunden in den verschiedenen Modi verbracht. Dabei hatten wir viel Spaß, aber nicht so viel, wie es hätte sein können. 

Es ist schon einige Jahre her, dass ein „Call of Duty“-Teil einen gewissen Hype sowie Vorfreude generieren konnte. Alles was es dafür scheinbar brauchte, waren ein paar Schritte zurück und die Besinnung auf alte Tugenden. Denn mal ganz ehrlich: Wer braucht denn schon Fortschritt oder gar ein futuristisches Szenario? Das Grundprinzip und schnelle Gunplay von „Call of Duty“ funktioniert eben auch ohne (wenn nicht sogar besser) als mit all den Zusätzen und Specials. „Boots on the Grounds“ versuchte zwar schon „WWII“, aber so richtig zünden wollte es nach einem anfänglichen Hype dann doch nicht. Und nachdem „Black Ops 4“ nach zahlreichen Kontroversen rund um die Monetarisierung mehr oder weniger in der Versenkung verschwand, muss es eben wieder der Hauptentwickler richten.

MF
Und wie er es richtet! Trotz weniger Movements ist das Spiel rasant wie eh und je. Gestorben wird im Sekundentakt und in keinem anderen Spiel verdient die Sprinttaste mehr eine Einrastfunktion, wie hier. Wer bremst hat Angst und wird es nicht lange auf dem Feld überleben. Es sei denn man ist Sniper und Camper, aber dann hat man eh einen ganz besonderen Platz in der Killstreak-Hölle verdient (ein Hoch auf die Kill-Cam!). Das schnelle Spiel muss man aber mögen und manchmal kann es schon deprimierend sein, wenn man 30x nacheinander von xXPussydestroyer69Xx abgeschossen wird und sich im Voice-Chat anhören muss, was für ein Noob man doch sei (inkl. unfeiner Sprüche über die eigene Mutter natürlich). Aber auch das ist eben „Call of Duty“ und das muss man abkönnen oder eben gleich alle auf „mute“ stellen. Problematisch sind dabei aber die zurückgekehrten Killstreaks. Denn auch wenn die Community die Rückkehr grundsätzlich feiert, so hatte es durchaus seinen Grund, warum man sie in vergangenen Spielen entfernte. Unaufhaltsame Spieler werden schnell noch unaufhaltsamer und können dann mit den richtigen Perks sogar noch mehr davon profitieren. Das Balancing könnte dadurch vor allem für Neueinsteiger ruiniert werden.

In der Beta war es zwar möglich, schnell aufzuleveln, um so die nötigen Waffenupgrades und Perks freischalten, aber trotzdem war eine Runde schnell entschieden, wenn gegen ein Team voller Level 30er (das Maximum der Beta) angetreten werden musste. Ohne die richtigen Waffen, Aufsätze, Perks und ja, vielleicht auch Skills, sah man hier kaum einen Stich. Zumal das Matchmaking in unseren Runden kaum vorhanden schien. Nicht selten wurden wir in eine Lobby mit anderen Einsteigern geschmissen, die dann gegen eine Truppe voller Eliten antreten musste. Zugegeben, zum Montag hatten wohl die meisten schon das Maximallevel erreicht, aber sollte sich daran bis zum Release am 25. Oktober nichts ändern, dann könnte die anfängliche Euphorie schnell in Frustration umschwenken.

Allgemein muss noch an einigen Ecken geschraubt und poliert werden. In der Gesamtheit betrachtet lief die Beta zwar überraschend rund und zumindest in unserer Zeit gab es nicht einen Server-Ausfall, aber viele kleine Bugs führten zu einigen Nerv- und Ragemomenten. Währendüber viele Bugs hinweg gesehen werden kann, waren es vor allem zwei, die den Spielspaß trübten. Da wäre zum einem der sehr holprige Perspektiven-Wechsel. Wenn man etwa im Zuschauermodus zwischen den Spielern oder nach Abschuss in die Kill-Cam wechselt, dann geschah das häufig mit einer ordentlichen Verzögerung. Gerade bei der Kill-Cam ist das nicht selten frustrierend, da so dann nur der eigentliche Abschuss sichtbar ist, nicht aber der Weg des Gegners. Betrug oder Cheaten lässt sich so kaum aufdecken.

Mindfactory
Viel nerviger waren aber die Türen. Diese geben den Spielern viele taktische Möglichkeiten und neue Varianten, sich durch die Map zu bewegen, doch dann müssen sie auch funktionieren. In unseren Runden kam es häufig vor, dass uns das Öffnen einer Tür wieder zurückwarf, da sie sich entschied in die andere Richtung zu schwenken – wenn sie denn überhaupt im ersten Anlauf aufging. Viel schwerwiegender ist aber der Umstand, dass das Öffnen von Türen nicht bei allen Spielern ankommt. So will man etwa einen Durchgang öffnen, der schon lange für den Gegner offensteht. Das Resultat: Man selbst steht vor einer Wand, während der Gegner beste Sicht auf einen hat und die freie Schussbahn ausnutzen kann.

Aber sei es drum. Es handelte sich hier ja immerhin um eine Beta und es istzu hoffen, dass die Entwickler wirklich noch nachbessern werden (angekündigt ist es zumindest) – und insgesamt liefen die Testtage durchaus rund. Und das ist ja schon mehr, als so manche vollwertigen Releases dieses Jahr von sich behaupten können. Viel wichtiger ist aber: „Call of Duty: Modern Warfare“ macht Spaß! Die alten wie auch neuen Modi funktionieren prächtig (persönlicher Favorit: Cyberangriff) und der ganze Progress wird wohl wieder für viele Stunden motivieren. Es wird sogar versucht, „Battlefield“ Konkurrenz zu machen, und der Entwickler hat entsprechend die Spieleranzahl nach oben geschraubt und Fahrzeuge eingebaut. So richtig wollte der Funke beim Modus „Ground War“ aber nicht überspringen. Ja, es ist nett, dass man nun auch auf diese Größe angewachsen ist, aber durch das schnelle CoD-Spielgefühl ist es am Ende nicht mehr als ein riesiges Durcheinander auf einer großen Karte. Hier fehlt es dem Spiel schlicht an Tiefe eines „Battlefields“, um einen solchen Modus zu rechtfertigen. Kann sich sicher noch ändern, aber bisher wirkt „Ground War“ eher wie ein Modus, der nur existiert, um EA zu ärgern.

„Call of Duty: Modern Warfare“ mag viele Schritte zurückgehen, doch gleichzeitig wirkte schon lange kein Teil mehr so frisch. Das Spiel beruft sich auf alte Stärken und baut diese an den richtigen Stellen aus. Auch die neue Engine macht einen durchaus sauberen Eindruck (wenn man einmal von dem Texturnachladen absieht). Einer Frostbite-Engine kann zwar immer noch nicht das Wasser gereicht werden, aber muss man auch nicht. „Modern Warfare“ sieht gut aus und läuft butterweich – und genau darauf wird es den meisten im Multiplayer-Modus ankommen. Wenn Infinity Ward jetzt noch ordentlich die Ecken und Kanten glättet, dann steht einem Multiplayerhighlight nichts mehr im Weg. Wir können den Release zumindest kaum mehr erwarten.

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