Frühjahrsputz im Januar – Wie reinige ich meinen Computer richtig? Teil 1

Hand aufs Herz – ist bei Euch jede Ecke tadellos sauber und so klinisch rein, dass man vom Boden essen könnte? Die Meisten würden auf diese Frage entgegnen, dass absolute Sauberkeit nicht nur ein Muss, sondern auch eine Selbstverständlichkeit ist. Versteht mich nicht falsch, ich sehe das ganz genauso. Doch geht man einmal mit dem Zeigefinger die obere Kante einer beliebigen Tür entlang oder rückt ein massives Regal ein Stück weit nach vorne, trennt sich bereits hier schon die sprichwörtliche Spreu vom Weizen. Beinahe ein jeder Saubermachmuffel wird mit solch einfachen Tests entlarvt. Doch selbst wenn diese Tests „sauber“ ausfallen, gibt es sicher noch weitere eisern verschwiegenen Staub-Hotspots in den eigenen vier Wänden, die einem beim Ausfindig machen die Charmeröte ins Gesicht treiben. Die Rede ist vom Innenraum Eures Computers. Während der Staub in den versteckten Ecken des Zuhauses in den meisten Fällen wohl keine großen Auswirkungen auf die Funktionalität der Wohnung hat, sieht das beim Computer leider ganz anders aus. Mikroskopisch kleine Staubflocken setzten sich im Inneren des Rechners ab, häufen sich an und können ihn im allerschlimmsten Fall nicht nur schaden, sondern auch zerstören. Ein besonders krasser Fall von David gegen Goliath, wenn Ihr Euch einmal die Größenverhältnisse von Staub zu Rechner klarmacht. Doch keine Sorge – mit den folgenden, einfach anzuwendenden Tipps und Tricks könnt Ihr nicht nur dem Staub den Kampf ansagen, sondern auch noch diesen Kampf für Euch entscheiden.

Von außen nach innen

Zieht man sich einmal seinen Rechner aus seiner peinlich verschwiegenen Staubecke hervor, wird spätestens jetzt deutlich, dass der Frühjahrsputz in diesem Jahr auch schon beruhigt vorverlegt werden kann. Demnach solltet Ihr sämtliche Kabelverbindungen, die zum Rechner führen, trennen und damit beginnen, eben dort gründlich sauber zu machen, wo der Rechner gerade noch stand. Bewaffnet Euch mit Staubsauger, Staublappen, Glasreiniger, Küchenpapier und was Euch sonst noch zur Verfügung steht. Der erste Schritt ist getan und Ihr habt Euch, ähnlich wie beim Sport, schön warm gemacht und seid bestens gerüstet für alles, was jetzt folgt. Spätestens jetzt solltet Ihr Euch mit Eurem Staubsauger und einem weichen Pinsel bewaffnen. Alles beisammen? Gut so – auf geht’s!

Angst? Von wegen!

Öffnet vorsichtig das Gehäuse Eures Rechners. Ist die zu öffnende Seite mit kleinen Schrauben festgemacht, ist es ratsam, Euch ein kleines Glas in Reichweite aufzustellen, indem Ihr solche Kleinteile sammeln könnt. Wir wollen ja schließlich nicht, dass irgendwas verloren geht. Stellt den Rechner auf einen Tisch, sodass Ihr bequem arbeiten könnt. Achtet allerdings auf eine passende Unterlage, nicht das Muttis gute Tischdecke dreckig wird. Verschafft Euch zunächst einmal einen Überblick. Spätestens jetzt wisst Ihr, womit Ihr es zu tun habt. Nehmt Euch den Staubsauger zur Hand und saugt den Gehäuseboden ab. Mit einem weichen Pinsel können festere Ablagerung ganz leicht und sicher gelöst werden. Beim Saugen solltet Ihr allerdings nicht zu grobmotorisch unterwegs sein. Kleine Schrauben, locker sitzende Kabel – all das könnte eventuell eingesaugt werden. Und mal im Ernst, das wäre echt ätzend! Also Augen auf und mit höchster Präzision arbeiten. Allgemein würde ich empfehlen, sich einmal mit dem Pinsel rundherum zu arbeiten und das Aufgewirbelte vorsichtig einzusaugen.

Die Steckkarten

Als nächstes geht Ihr mit dem Pinsel vorsichtig über die obenliegenden Bereiche der Einsteckkarten auf Eurem Mainboard und saugt den aufgewirbelten Staub auf. Das auch hier beim Saugen Vorsicht geboten werden muss, muss ich ja wohl kaum erwähnen. Anschließend baut Ihr die Einsteckkarten aus und reinigt sie im gleichen Verfahren auch von der Unterseite. Jetzt ist Druckluft gefragt, denn der Staub setzt sich auch in den Steckplätzen fest und mit dem Pinsel läuft man meist in Gefahr, den Staub innerhalb des Steckplatzes nur zu verteilen, nicht aber zu lösen. Wichtig ist bei der Anwendung die Anweisungen des jeweiligen Herstellers zu beachten. Um das Ergebnis zu verbessern und gleichzeitig keine Druckluft zu verschwenden, empfehle ich stoßweise Druckluft abzugeben. Außerdem kann sich bei längerer Betätigung Feuchtigkeit entwickeln und diese solltet Ihr unbedingt vermeiden. Den nun befreiten Staub entweder einfach absaugen oder beispielsweise mit einem Küchentuch aufnehmen.

Die Grafikkarte

Auch bei der Grafikkarte geht Ihr vor wie mit den anderen Einsteckkarten auf Eurem Board. Also zuerst einmal von oben mit dem Pinsel reinigen und absaugen. Im Anschluss daran baut Ihr Eure Karte aus, dreht sie um und reinigt sie von unten. Auch der Steckplatz verträgt selbstverständlich eine Reinigung. Geht dabei genauso vor wie bei den anderen Steckplätzen. Wenn Ihr keine Angst vor Garantieverlust habt und Euch selbst als fortgeschrittenen Bastler einstufen würdet, dann geht bei der Grafikkarte allerdings noch ein wenig mehr. Ist der Lüfter von Staub befallen, empfehle ich weiter mit der bewährten Pinsel-Staubsauger Variante zu arbeiten. Aber Achtung: Ihr müsst darauf achten, dass sich der Lüfter nicht durch die Benutzung des Staubsaugers dreht. Denn das sieht zwar lustig aus, kann aber Lagerschäden und im schlimmsten Fall Schäden an der Elektronik nach sich ziehen. Und wir wollen ja die Lebensdauer des Rechners nachhaltig verbessern und nicht verkürzen. Wenn Ihr jetzt den Lüfter löst, dann vergesst nicht die gleiche Prozedur der Rückseite zu widmen. Unter dem Lüfter wird das Kühlgerippe sichtbar. Um den Staub zu entfernen, wieder stoßweise mit Druckluft arbeiten und den Staub entweder absaugen oder mit einem Tuch aufnehmen. Aber man kann noch ein wenig mehr tun. Wer weiß, wie alt Eure Karte ist. Es könnte sein, dass die Wärmeleitpaste erneuert werden muss, da die alte bereits zu sehr eingetrocknet ist und nicht mehr vernünftig ihren Dienst verrichtet. Dafür entfernt Ihr die Kühlung komplett von der Grafikkarte und befreit diese von den Resten der alten Wärmeleitpaste. Ist diese schwierig zu entfernen, kann man entweder Muttis Nagellackentfernen klauen, um die Reste zu entfernen – oder aber man vermeidet den Ärger und geht die gesamte Prozedur ein wenig professioneller an. Ich empfehle hierfür das Reinigungskit Arctic Clean für CPU Kühler. Aber keine Sorge, auch GPU Kühler können damit gereinigt werden 😉 Vergesst dabei nicht den Anweisungen des Herstellers zu folgen. Ist die Grafikkarte von den Resten der alten Wärmeleitpaste erfolgreich befreit, so müsst ihr Neue auftragen. Das Geheimnis liegt darin, nicht zu viel und nicht zu wenig aufzutragen. Jetzt könnt Ihr den Kühler sowie den Lüfter wieder montieren und Eure Grafikkarte bekommt für die nächste Zeit wieder ohne Mängel den TÜV-Stempel.

Die Prozedur des Prozessors

Auch hier beginnt Ihr damit, den Staub, welcher auf den Lüfter aufliegt, vorsichtig mit dem altbewährten Pinsel-Staubsauger-Duo zu entfernen. Man kann es einfach nicht zu oft sagen: Bitte achtet darauf, dass sich der Lüfter nicht durch die Luft des Staubsaugers dreht. Ist alles blitzeblank, lösen wir den Lüfter vom Kühler und reinigen auch die Unterseite. Der wirkliche Schmutzhaufen offenbart sich allerdings in den meisten Fällen im Kühler selbst. Die Zwischenräume sind hoffnungslos verstaubt und das feine Gerippe wird wie ein großer Klotz wahrgenommen, während sich die CPU, um Hilfe hechelnd, vor Hitze schon Bademantel und Schlappen angezogen hat. Richtig kühlen geht anders. Wieder einmal empfehle ich die Zwischenräume mit Druckluft von dem Staubangriff zu befreien, abzusaugen oder (und Ihr ahnt es vielleicht schon) mit einem geeigneten Tuch aufzunehmen. Auch hier lohnt es sich, einen Blick auf die Wärmeleitpaste zu werfen. Sieht sie nicht mehr gut aus, dann solltet Ihr auch diese austauschen. Also fix den Kühler lösen, die alte Wärmeleitpaste entfernen, die frische Wärmeleitpaste in einem vernünftigen Verhältnis auftragen, den Kühler sowie den Lüfter montieren und schon erstrahlt Euer Prozessor im neuen Glanze.

Jetzt haben wir schon eine ganze Menge geschafft, aber fertig sind wir noch nicht ganz. Wenn Ihr wissen wollt wie es weitergeht, dann seid gespannt auf den zweiten Teil.

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