Wir verfolgen seit Längerem den Rechtsstreit zwischen Apple und Epic. Wer nicht up to date ist, kann hier unseren ersten, zweiten und dritten Artikel zu dem Thema lesen. Wir fassen die Geschehnisse der letzten zwei Wochen noch einmal kurz zusammen:

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Epic Games hat ein eigenes Bezahlsystem in Fortnite implementiert. Dort konnten Spieler In-Game-Content ohne die 30 Prozent Aufschlag vom Apple- und Google Play Store kaufen. Da das aber gegen die Nutzungsbedingungen verstößt, wurde Fortnite von beiden Plattformen entfernt. Daraufhin hat Epic die beiden Unternehmen verklagt. Die Klage kam so schnell und mit einem aufwendig produzierten Video, dass Epic die ganze Aktion vermutlich von vornherein geplant hatte. Apple ist der Hauptbeklagte und hat angedroht, die Unreal Engine vom hauseigenen Entwicklungsportal zu entfernen. Auch Google wurde von Epic erklagt. Dort ist die Situation aber deutlich besser und Google beteuert immer wieder die Unterschiede zu iOS. Denn auf Android-Geräten ist es möglich, das Spiel via Sideloading herunterzuladen. Der Rechtsstreit ist deshalb so interessant, weil er ein Präzedenzfall sein könnte, um den wichtigen Mobile-Gaming-Markt zu verändern. Wenn Epic gewinnt, könnte das zu mehr Freiheit für die User führen.

Insgesamt scheint der Rechtsstreit noch unentschieden. Epic Games hat einen großen Sieg errungen, denn ein Gericht hat es Apple verboten, die Unreal Engine von iOS auszuschließen. Es basieren zu viele unabhängige Spiele auf Epics Engine, sodass ein Verbot nicht machbar wäre. Doch Apples Strategie trägt zum Teil schon Früchte. Denn Epic scheint es finanziell hart getroffen zu haben. Der Entwickler reichte eine einstweilige Verfügung gegen Apple ein – Fortnite soll wieder in iOS verfügbar sein, bis ein Gericht die endgültige Entscheidung trifft. Der Hintergrund: iOS sei Fortnites größter mobiler Absatzmarkt und Epic berichtet von sehr stark zurückgehenden Spielerzahlen. Dadurch würde das Studio nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig sehr viel Umsatz verlieren. Die Weiterentwicklung des Spiels und des „Metaversums“ wären ebenso in Gefahr. Der von Apple verursachte Schaden wäre laut Epic nicht bezifferbar.

Es ist schwer, einen Favoriten zu wählen, denn es geht bei beiden Unternehmen ganz klar nur um wirtschaftliche Interessen. Apple ist seit Jahren für seine anti-konsumentenfreundliche Politik bekannt, während Epic auch ein größeres Stück vom Kuchen abhaben will. Der nächste Gerichtstermin wird Ende September stattfinden und wir sind gespannt, wie das Ganze ausgeht. Eines ist klar: Epic scheint die Gegenwehr von Apple unterschätzt zu haben. Was denkt Ihr darüber?

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