Gestern Abend hat die LEC, das ist der europäische League of Legends Broadcast, ihren neuen Partner für den Summer Split 2020 angekündigt. Dieser heißt NEOM und ist ein Unternehmen aus Saudi-Arabien mit einer fragwürdigen Firmenpolitik. Nicht nur von den Fans gab es heftige Kritik.

Um zu verstehen, warum die Kritik so stark ausfiel, ist es wichtig, kurz über die LEC zu reden. Das Team hinter der LEC bietet seit Jahren eine gute Show mit super Comedy-Einlagen, die trotzdem informativ ist und entertaint. Seit ihrer Gründung hat sie die LCS (das nordamerikanische Gegenstück) mehr als nur überholt. Die LEC bekennt sich dazu, sonderbar zu sein: Sie ist witzig, aufgeschlossen und weltoffen.

Nur die Sponsoren sind seit Längerem ein Problem. Der jetzige Sponsor KitKat ist eine Unterfirma von Nestlé – das ist bekannt. Und Nestlé ist seit Jahren für seine skandalösen Businessmethoden verrufen. Schon bei der Ankündigung von KitKat als Sponsor gab es ein kleines Backlash, das jedoch nicht mit dem zu vergleichen ist, was gerade passiert. Denn der neue Sponsor der LEC heißt NEOM. Das ist eine Planstadt der saudi-arabischen Regierung mit einem angeschlossenen Technologiepark.

Mindfactory
Es gibt zwei große Probleme mit NEOM: Einmal ihre Verbindung mit der saudi-arabischen Regierung, die unter anderen für ihre brutale Vorgehensweise gegen Homosexuelle bekannt ist. Die LEC bekennt sich jedoch für Toleranz und Offenheit. Das zweite Problem ist, wie die Stadt gebaut wird. Denn das Gebiet, in dem sie entstehen soll, wird von Beduinen bewohnt. Der alte Volksstamm widersetzt sich den Zwangsräumungen, doch Saudi-Arabien schreckt vor kaum einem Mittel zurück. Der Aktivist Abdulrahim al-Howeiti richtete sich öffentlich an die Welt und gab bekannt, dass seine Heimat verkauft wurde. Nur wenig später wurde er von saudi-arabischem Sicherheitspersonal getötet. Offiziell hieß es, er hätte eine Waffe bei sich gehabt – diese war aber nicht aufzufinden.

Es ist also mehr als fragwürdig, wie sich die LEC mit ihrem Image so positionieren kann. Nicht nur die Fans haben negativ auf die Ankündigung reagiert. Auch die Caster haben sich öffentlich gegen die Entscheidung geäußert. Das deutsche Broadcast-Team stellte sogar infrage, ob sie dieses Wochenende kommentieren würden. Die LEC hat schnell reagiert und nur Stunden später die angekündigte Kooperation beendet. Das fühlt sich zwar wie ein Sieg an, aber die Frage, wie die Kooperation überhaupt zustande kam, ist immer noch offen.

Neuen Tweets zufolge hatten sich die Caster dazu entschlossen, zu streiken, wenn die Kooperation nicht beendet wird. Wir würden bei diesem mutigen Schritt applaudieren. Es dürfte keine einfache Entscheidung gewesen sein, seine Karriere auf das Spiel zu setzen. Zudem twitterten viele Riot Mitarbeiter Tweets, die auf eine dubiose Entwicklung nach einem internen Meeting hindeuten. Die Tweets verraten nichts genaues, berichten aber alle über eine grauenhafte Entwicklung. Worum es sich hier genau handelt, wird bislang nur spekuliert.

Was haltet Ihr von der ganzen Sache? Ist die Reaktion gerechtfertigt oder übertrieben? Schreibt uns bitte Eure Meinung.

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