Es gibt im Grunde nur zwei Arten von Menschen: Apple-Fans, die sich bei jeder noch so kleinen Ankündigung übertrieben freuen und die vorderste Android-Front, die bei jeder Ankündigung von Apple versuchen alles schlecht zu reden. Irgendwo dazwischen sitze ich, bin immer sehr an den Neuheiten interessiert, aber stets von beiden Seiten enttäuscht. Wie auch im Falle des gestrigen Special Events von Apple.

Nein, so wirklich Special war an dem Abend nichts. Es gab zwar viel zu sehen, aber Quantität entspricht nun einmal nicht immer gleich Qualität. Vielmehr war es ein „war ja klar“, als ein „oho“. In meinen Augen hat Apple schon seit dem iPhone 6, spätestens aber mit dem iPhone 7, sein Mojo verloren. Klar, die Geräte sind grundsätzlich top-notch, aber was die Entwicklung angeht, machte man in den letzten Jahren nur kleine Schritte, als wirklich große Sprünge. Jetzt wetzen bestimmt schon wieder Fans die Klingen und bereiten einen Text vor, in dem sie alle Punkte aufführen, in denen Apple wieder und auch weiterhin ein Vorreiter ist. Und hey, ganz möchte ich dem Unternehmen den Einfluss nicht absprechen. Sie sind zwar selten wirklich die Ersten, aber immerhin die Lautesten und somit wichtig besonders  für Massenmarkt.

Und damit sehe ich auch schon die Android-User, die sich gegen diese Behauptung stellen. Ja, Apple kopiert viel und hängt bei einigen angeblichen Neuheiten Jahre hinterher, aber was solls? Wenn sie bestehende Dinge nehmen und auch verbessern, dann profitieren wir doch alle davon. Was mich nun wieder zu dem Special Event bringt. Denn auch wenn ich Apple-Fans immer bisher belächelt habe, habe ich ihnen „ihre“ Produkte gern gegönnt. Jetzt tun sie mir aber eher allem leid. In meinen Augen (!) war die gestrige Präsentation eine einzige Enttäuschung. Die neuen Geräte sind lediglich ein wenig besser, ein wenig schneller und bieten im Grunde nichts, was den Preis von bis zu weit über 1.000 Dollar rechtfertigen würde. Und wofür? Für ein iPhone 11 Pro, das selbst den eigentlich immer tollen Formfaktor der Applegeräte aus dem Fenster wirft und jetzt mit einer Rückseite daherkommt, die an Sam Fishers Nachtsichtgerät aus „Splinter Cell“ erinnert. Alles nur, damit man mit neuen Superlativen und Aufnahme-Qualitäten um sich schmeißen kann, die 95 Prozent der Nutzer eh nie nutzen werden.

Versteht mich nicht falsch, 4K- und 12-MP-Weitwinkelaufnahmen sind eine feine Sache, doch wen interessiert es, wenn Instagram die Bilder eh runterrechnet, man den Unterschied auf anderen Bildschirmen kaum sieht und der Speicher schnell überquillt? Aber hey, immerhin kann man jetzt Slow-Motion-Selfies (liebevoll „Slofies“ genannt) machen.

Und ja, die neuen Iphones halten länger durch und ja, endlich haben auch die Geräte eine IP68 Zertifizierung. Aber das ist alles mehr eine Evolution, statt einer wirklichen Revolution. Im Grunde trifft das aber auch auf die Präsentationen der letzten Jahre zu. Darum will ich einmal gewillt sein und auch mal die positiven Sachen betrachten. Da wäre zum einem die Preissenkung für iPhone 8 (499 Dollar) und iPhone XR (599 Dollar). Das ist zwar immer noch teuer, aber schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Zudem finde ich persönlich die Preisgestaltung des Spiele-Abos Apple Arcade und des Streaming-Services Apple TV+ nicht verkehrt. Über den Content kann man sicher streiten, aber wenn dieser wächst und vor allem qualitativ noch weiter anzieht, dann sind 4,99 Dollar pro Monat nicht nur annehmbar, sondern auch eine ordentliche Kampfansage zur Konkurrenz. Zudem macht der erste Trailer zu „See“ mit Jason Momoa einen durchaus guten Ersteindruck.

Doch reichen diese Punkte eben kaum, um bei mir das Gefühl einer großen Ernüchterung wegzuwischen. Am Ende kann ich es sogar kaum fassen, dass es das gewesen sein soll. Es wurde viel gezeigt, mit großen Zahlen um sich geworfen und trotzdem bleibt kaum etwas davon hängen. Apple, ich war nie dein größter Fan, aber das kannst du besser.

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